Ratgeber

KI im KMU einführen: vom ersten Workshop bis zur KI-Richtlinie

Illustration: drei Dokumente mit Checklisten für Workshop, KI-Richtlinie und Pilotprojekt
Kurzantwort

KMU führen KI am besten in fünf Schritten ein: Workshop mit dem Team, Bewertung der Ideen, eine kurze KI-Richtlinie, ein konkretes Pilotprojekt und danach Schulung und Ausbau. So nutzt das Team KI sicher und mit messbarem Nutzen, statt dass alle für sich mit Gratis-Tools experimentieren.

Warum braucht es einen geordneten Start?

Weil KI in den meisten Betrieben längst genutzt wird, oft ohne Regeln und mit privaten Gratiskonten. Das führt zu drei Problemen: Kundendaten landen in Tools ohne Vertrag, die Qualität der Ergebnisse ist uneinheitlich, und niemand weiss, wo KI eigentlich Zeit spart. Ein geordneter Start macht aus Einzelversuchen einen Nutzen für das ganze Team.

In welchen Schritten läuft die Einführung ab?

PhaseInhaltErgebnis
1. WorkshopGrundlagen, Live-Beispiele mit Ihren eigenen Aufgaben, IdeensammlungListe möglicher Anwendungen
2. BewertungNutzen, Aufwand und Datenrisiko jeder Idee einschätzenEin bis zwei Pilotprojekte
3. RichtlinieErlaubte Tools, Umgang mit Daten, VerantwortlichkeitenKI-Richtlinie auf ein bis zwei Seiten
4. PilotEine Anwendung im Alltag testen, zum Beispiel OffertentwürfeGemessene Zeitersparnis und Erfahrungen
5. AusbauSchulung, weitere Anwendungen, Automatisierung von AbläufenKI als fester Teil der Arbeit

Was passiert in einem KI-Workshop?

Das Team lernt an eigenen Aufgaben, was KI kann und wo sie Fehler macht. Typische Inhalte:

  • Wie Sprachmodelle funktionieren und warum sie manchmal falsche Fakten erfinden
  • Live-Übungen mit echten Aufgaben: E-Mails, Offerttexte, Protokolle, Übersetzungen
  • Gute Anweisungen (Prompts) schreiben und Ergebnisse prüfen
  • Was beim Datenschutz erlaubt ist und was nicht
  • Ideen sammeln, wo KI im eigenen Betrieb Zeit sparen könnte

Für den Einstieg reicht meist ein halber oder ganzer Tag. Wichtig ist, dass nicht nur die Geschäftsleitung teilnimmt, sondern auch die Personen, welche die Abläufe täglich ausführen.

Was gehört in eine KI-Richtlinie?

Eine KI-Richtlinie hält in einfachen Worten fest, wie im Betrieb mit KI gearbeitet wird:

  • Zweck und Geltungsbereich: für wen und welche Tätigkeiten die Regeln gelten
  • Erlaubte Tools, idealerweise mit Business-Konto oder über die API
  • Daten, die nie eingegeben werden: besonders schützenswerte Personendaten, Passwörter, Geschäftsgeheimnisse
  • Prüfpflicht: KI-Ergebnisse werden von einem Menschen kontrolliert, bevor sie den Betrieb verlassen
  • Transparenz gegenüber Kunden, zum Beispiel beim Chatbot auf der Website
  • Umgang mit KI-generierten Bildern und Texten (Urheberrecht, Kennzeichnung)
  • Ansprechperson für Fragen und Meldeweg bei Problemen

Halten Sie die Richtlinie kurz. Ein bis zwei Seiten, die alle lesen, nützen mehr als ein langes Dokument, das in einem Ordner verschwindet.

Welche Anwendungen eignen sich für den Start?

AnwendungTypischer NutzenDatenrisiko
E-Mails und Texte entwerfenWeniger Zeit für RoutinekorrespondenzGering, wenn ohne Personendaten
Besprechungen zusammenfassenSchnelle Übersicht und PendenzenlisteMittel, je nach Inhalt
Übersetzungen Deutsch, Französisch, Italienisch, EnglischMehrsprachige Kommunikation ohne WartezeitGering bis mittel
Offerten vorbereitenSchnellere Antwort auf AnfragenMittel
Interner Assistent mit eigenen DokumentenAntworten aus Handbüchern und VorlagenMittel bis hoch, Hosting sorgfältig wählen

Welche Fehler sollten KMU vermeiden?

  • Tools einführen, ohne Regeln für Daten festzulegen
  • Mit einem zu grossen Projekt starten, statt mit einem klar abgegrenzten Ablauf
  • KI-Ergebnisse ungeprüft an Kunden weitergeben
  • Das Wissen bei einer einzigen Person bündeln
  • Kein Ziel festlegen und deshalb nicht messen, ob sich der Einsatz lohnt

Welche rechtlichen Punkte sind zu beachten?

In der Schweiz gilt für Personendaten das revidierte Datenschutzgesetz (revDSG), in Kraft seit dem 1. September 2023. Was das für KI-Tools bedeutet, erklärt unser Artikel über KI und revDSG. Wer KI-Systeme in der EU anbietet oder deren Ergebnisse dort nutzt, kann zudem unter den EU AI Act fallen. Dieser Artikel ist eine Orientierung, keine Rechtsberatung.

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